Herzlich Willkommen

Die Hände, die zum Beten ruhn, die macht er stark zur Tat.
Und was der Beter Hände tun, geschieht nach seinem Rat.

(Jochen Klepper, 1903-1942, deutscher Journalist und Romanschriftsteller)


Liebe Gemeindeglieder, liebe Schiersteiner,

wenn die Glocken läuten, abends um 19.30 Uhr, ruft die Ökumene zum Gebet.

Wir werden bald wieder alle gebraucht werden mit unseren tatkräftigen Händen und Aktivitäten, wo auch immer wir stehen, - aber jetzt ist die Zeit zum Daheimbleiben und Innehalten, und auch zum Gebet.

Ein ganz einfacher Gestaltungs- und Gebetsvorschlag für 19.30 Uhr kann unten herunter geladen werden. Eine Kerze im Fenster kann ein schönes Zeichen sein in die Nachbarschaft hinein.

Bleiben Sie alle gesund und wohlbehütet und auf ein möglichst baldiges Wiedersehen!

Ihr Pfarrer Dr. Jörg Mohn

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Dank für Gottes Trost in Trübsal

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, 4 der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.

Mit diesen Worten, liebe Schwestern und Brüder der Christophorusgemeinde, liebe Schiersteinerinnen und Schiersteiner, grüße ich Sie und möchte Ihnen in beängstigenden Zeiten Mut zusprechen.

Ja, die Angst ist wohl eine der schlimmsten Nebenwirkungen des grassierenden Virus, und sie bringt manchen dazu, Unvernünftiges zu äußern und zu tun. Darum ist Besinnung und Besonnenheit so wichtig!

Chancen in der Krise, die sind ja gar nicht einmal so klein und so wenig.Und eine Chance weisen auch die Bibelworte - ein Gebet des Apostels Paulus für seine bedrängte Korinthergemeinde. Paulus möchte seine junge Christengemeinde ermuntern, ihre Nöte als Weg der Nachfolge des Herrn zu verstehen, und er verheißt ihnen, dass sie auf diesem Wege Trost erfahren werden.

Bei der Anerkennung unserer Grenzen und unserer Verletzlichkeit haben wir in diesen Tagen schon enorme Schritte getan. Alle Events und Veranstaltungen, die für viele den Alltag bestimmten und füllten, sind weggefallen. Arbeit findet meist zu Hause statt, wo sich ohnehin die Familie sammelt. Zerstreuung greift nicht mehr in gewohnter Weise, Zeit zum Nachdenken und sich Auseinandersetzen entsteht, das ist gut so. Schüler merken, wie gut und wichtig die ungeliebte Schule doch ist, vielleicht ändert das ihre Einstellung nachhaltig zum Guten. Andere spüren, wie tragend die wöchentlichen Gottesdienste doch sind, die wir jetzt nicht mehr in gewohnter Weise feiern dürfen.

Die Lage zwingt auch zur Priorisierung: Was ist wirklich wichtig im Leben, was ist unbedingt schützenswert. So erscheint das Zuhause in neuem Licht: Nicht mehr als Startrampe zum ständigen Aufbruch, sondern als bergendes Heim mit den liebsten Menschen. Man beginnt wieder, miteinander zu spielen, zu spazieren, Kinder schützen ihre betagten Eltern …

Und neben den betrüblichen Hamsterkäufen ist auch zu beobachten, wie Menschen nach denen Fragen, die ihre Hilfe brauchen. Da wird der Einkauf für die betagte Nachbarin gleich miterledigt und es entstehen spontane Hilfsgemeinschaften. Da entdecken wir in unserem Land totgesagte Eigenschaften wieder, das ist schön.

Zurück zum Bibeltext: Auch Paulus spricht in seinem Korintherbrief zu Menschen, die in Nöten sind, die etwas zu leiden haben. Und er tut das als einer, der selber schon etwas zu leiden hatte. Für ihn ist Leiden etwas, das zum Leben wesenhaft dazugehört. Darum kann er es offen und frei ansprechen. „Gelobt sei Gott, der uns tröstet in all unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in viel Trübsal sind.“

Mit diesen wenigen Worten eröffnet Paulus damit eine Perspektive auch für uns: Voraussetzung dazu ist, dass ich die gegenwärtige Not annehme und anerkenne als aktuell bestimmenden Teil meines Lebens. Das wäre der Anfang. Und dann kann alles andere kommen: wenn ich meine Angst und meine Sorgen ansprechen und aussprechen kann, dann werde ich auch Trost erfahren, von Gott und Menschen. Dann können andere zu mir sprechen, die an Ähnlichem und Gleichem leiden, und gemeinsam kann man Trost finden. Und wenn ich so getröstet wurde, dann bin auch ich wieder im Stande, anderen Trost zu geben in ihren Nöten.

Gesunde und Kranke, Alte und Junge, erkennen die aktuellen Grenzerfahrungen als Teil des Lebens an und trösten einander. Das wäre die Trostgemeinschaft, von der Paulus spricht. Auch in diesen Tagen ist das eine Chance, aus dem eigenen Angst- und Sorgenkreis herauszufinden und Trost zu geben und zu bekommen. Ein wunderschönes Beispiel: die unzähligen Regenbogen in den Fenstern der Lombardei und Italiens, Anspielung auf Gottes Bund mit Noah nach der verheerenden Flut: „Andra tutto bene“ – Gott will die Erde nicht mehr zerstören – alles wird gut!

Für Gottes unbedingten Willen zum Leben steht die Auferstehung Christi von den Toten, sein Sieg über den Tod, das heilige Osterfest, auf das wir trotz allem unbeirrt zugehen in dieser Zeit.

Das alles mag uns in diesen Tagen trösten und stärken, das mag unsere Herzen besonnen machen und uns miteinander anstiften zu guten Werken.

Herzlich Ihr und Euer Pfarrer Dr. Jörg Mohn




Kirchenführer für die Christophoruskirche