Gottesdienste ab Sonntag den 3. Mai

Durch Erlass der hessischen Landesregierung dürfen wir seit Sonntag, 3. Mai unter Wahrung der Abstands- und Hygieneregeln wieder Gottesdienst feiern und laden herzlich dazu ein.

Über den Start von Gemeindegruppen, anderen Veranstaltungen und Konzerten halten wir Sie auf dem Laufenden. Die aktuelle Übersicht über alle Veranstaltungen im Mai finden Sie in unserer Rubrik Gottesdienste.


Osterandacht

Liebe Gemeindeglieder, liebe Schiersteiner,


„Jesus Christus ist auferstanden!“

Mit dem Ostergruß möchte ich Sie herzlich grüßen und gerade in diesen Zeiten, in denen der Tod schreckt, Sie einladen zur Antwort:
„Er ist wahrhaftig auferstanden!“


Jesus lebt, doch wie geht es nun weiter, was bedeutet das für uns in unserer von Krankheit und Sorgen gezeichneten Situation? Eine Antwort kann die berühmte Ostergeschichte von den Emmausjüngern geben:


13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus. 14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. 15 Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. 16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.

17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. 18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? 19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk; 20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. 21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist. 22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, 23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. 24 Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.

25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! 26 Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? 27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war.

28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. 29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. 30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. 31 Da wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.


Wie geht es jetzt weiter? Jesus sagt seinen Freunden, wie es weitergeht. Erst zeigt er ihnen seine Wunden; dann isst er auch noch mit ihnen, will zeigen, dass er wirklich lebt. Aber das ist noch nicht die Hauptsache. Jesus ist da, um seine Jünger zu beauftragen. Jetzt muss gepredigt werden. Vom Jesu Leiden und Sterben muss erzählt werden; von der Auferstehung – und von der Vergebung der Sünden. Alle sollen wissen, was Auferstehung zu bedeuten hat und wie es weitergeht: Predigen, Abendmahl feiern, einander die Fehler bekennen und verzeihen. Die Tage des Leidens Jesu waren kein himmlisches Schauspiel, das mit unserem Alltag nichts zu tun hat. Es hat alles seinen Sinn. Und der Sinn ist: Wir sollen die Tage und Jahre des Lebens nicht nur hinter uns bringen; wir sollen leben!


Wie Gott das alles gemacht hat, können wir nicht völlig verstehen und müssen wir auch nicht. Aber warum Gott das alles auf sich genommen gemacht hat, das sollen wir hören und verstehen: Wir sollen leben! Wir können das auch. Wir sollen uns dem Leben nicht ergeben und sollen die Jahre nicht einfach hinter uns bringen, egal wie. Wir sollen und wir können sie gestalten, auch und gerader jetzt in diesen Tagen. In Liebe und Sorgsamkeit die Zeit gestalten; und in Tapferkeit. Das hören die Jünger. Das hören auch wir gerade in unseren Tagen, in denen uns schmerzlich die Grenzen unserer Möglichkeiten und die Zerbrechlichkeit des Lebens vor Augen geführt werden.
Was haben wir von Jesu Auferstehung?
Nun, Leben haben wir davon. Leben in Würde und im Schutz unseres Gottes. Auch wenn es manchmal und gerade aktuell nicht danach aussieht.


Ich möchte Ihnen von meinem Vater erzählen, über 80 Jahre war er bereits geworden. Das Gehen fällt schwer. Der Rücken macht viele Schmerzen. Aber er geht jeden Tag seine Strecke und auch aufs Ergometer, lässt nicht nach. Er gliedert seinen Alltag, führt Kalender wie früher, geht noch immer in den Friedenskreis, zur Gymnastik und zu ökumenischen Gesprächen.
Man darf nicht nachlassen, das sagt er nicht, das lebt er. Was noch getan werden kann, muss getan werden. Nicht nachlassen in der Sorgfalt. Papier wegbringen, einkaufen Bankgeschäfte und Telefonate, Medikamente richten. Und immer gut und gepflegt essen mit einem schönen Glas Wein. Sorgfalt nimmt sich selbst ernst. Auch wenn die Schritte schwer werden. Und der Aufzug im Haus hilft und seine liebe Frau, die für ihn da ist.
Dann kommt die Müdigkeit. Mittagsschläfchen, vielleicht eine Stunde. Und dann sind wieder Kräfte da. Ein Tässchen Kaffee, und Post beantworten oder verschicken. Die Enkel lieben Opas Karten. Er schreibt die mit der Feder, manchmal legt er etwas Geld dazu. Immer aber schreibt er, wie sehr er sich über sie und ihr Leben freut. Er tut alles mit Sorgfalt. Und je weniger geht, desto sorgfältiger wird er.
Sorgfalt nimmt sich selbst ernst. Und andere. Sorgfalt dient Menschen. Und wer Menschen dient, ehrt Gott. Das tut er. Gewissenhaft. Zur Kirche kann er nicht mehr oft. Er dient Gott anders. Mit Sorgfalt für Menschen.


Sorgfalt nimmt sich selbst ernst; nimmt das eigene Leben ernst. Und nimmt Gott ernst, der das Leben gibt und beschützt. Man darf nicht nachlassen, auch wenn vieles nicht (mehr) geht  – das, was geht, wird getan. Ich will leben, sagt der alte Mensch. Ich will mich nicht dem Leben ergeben, sondern will es gestalten, auch wenn es nicht mehr so viele Möglichkeiten gibt. Und das tut er bis zum letzten Tag.


Gott gibt Leben und Möglichkeiten. Für Gesunde und auch für Kranke. Und auch jetzt in der Coronakrise mit all ihren Einschränkungen. Mit Gott gibt es immer Möglichkeiten. Immer mehr Möglichkeiten, als nur zu jammern, zu schimpfen oder gar bitter zu werden. Wir müssen nur wollen. Die Gelegenheiten beim Schopfe fassen. Leben ist auch jetzt, Gründe zur Freude zu entdecken und zu genießen. Leben ist, andere Menschen nicht zu benutzen oder gar zu meinen, sie hätten uns zu dienen  – sondern mit großer Dankbarkeit auch die kleinen Hilfen anzunehmen.
Und: Leben ist zu verzeihen. Viele Menschen lieben es, aufzurechnen und Schuld und Fehler lange nachzutragen: „Du hast aber damals …“ Leben ist aber nicht Festkleben, sondern weiterdenken, größer denken, friedlich denken. Mit Aufrechnen kommt man nicht weiter, mit Verzeihen schon. Wir verzeihen nicht, um anderen eine Freude zu machen. Wir verzeihen, um uns eine Freude zu machen, um loszukommen von der Aufrechnerei; um wieder neues Leben zu finden und Freude über das Rechnen hinaus.
Das alles ist auch jetzt möglich.


Wir können leben, das ist die Antwort auf die Frage, wie es denn weitergeht nach dem Ostermorgen in Jerusalem und was das alles denn für uns bedeutet. Wir können leben und dürfen leben. Wir sollen die Tage nicht einfach hinter uns bringen, sondern ihnen einen Wert geben, den Wert der Liebe, der Achtung voreinander, der Güte und des Verzeihens.
Wir sollen leben, tapfer leben, Gottes Willen annehmen und auch noch mit wenigen Möglichkeiten achtsam und sorgfältig sein mit uns und anderen. Dazu brauchen wir keine Massenveranstaltung und kein Entertainment. Der Wert unseres Lebens liegt im Vertrauen, dass Gott uns will; liebend will, tapfer will  – und in allem an unserer Seite ist und bleibt. Sein Friede ist mit uns.


Ihr Pfarrer Dr. Jörg Mohn





Kirchenführer für die Christophoruskirche